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06.12.: Fatsa/Koina: Athen

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886056_775028749286724_5908884260690642295_oDer Ringlokschuppen Mülheim hat ja ein durchaus wild bewegtes Jahr hinter sich, eines der interessantesten Projekte dort waren (und sind) natürlich seit ein paar Jahren die sogenannten „Fatzer“-Tage, in deren Mittelpunkt Bertolt Brechts Tragödienfragment „Der Untergang des Egoisten Johann Fatzer“ steht, das hier jedes Jahr aufs Neue von verschiedenen Theater-Trupen vielfältig uminterpretiert wird: In der Originalvorlage desertiert Johann Fatzer mit vier anderen jungen Soldaten von der Front des Ersten Weltkriegs – die Flucht verschlägt die Gruppe nach Mülheim.

Im Rahmen der „Fatzer“-Tage 2013 entstand diese Inszenierung, die Brechts „Fatzer“-Fragment radikal neu deutet– Fatsa heißt auf neugriechisch Gesicht, Koina ist auf altgriechisch das Gemeinwesen: die Gruppe EGfKA (Europäische Gemeinschaft für Kulturelle Angelegenheiten) war damals drei Wochen lang in Athen und hat in einem besetzten Theater mit dortigen Künstlern dieses Stück erarbeitet, das in diesen Tagen fast noch aktueller erscheint als vor zwei Jahren. In „Fatsa/Koina: Athen“ fliehen fünf Menschen aus dem alltäglichen Krieg im globalen Süden in den reichen friedlichen Norden und stranden als mittellose Illegalisierte in der fremden Stadt Athen, dem Tor zur Festung Europa, dem vermeintlichen Paradies. Doch auch hier herrscht Krise: Menschen hungern, weil sie sich nix zu essen kaufen können, frieren, weil sie kein Holz haben. In der griechischen Gesellschaft rumort es: Demos, Streiks, Kämpfe. Die einzige Hoffnung: Der kommende Aufstand, der hoffentlich alle wirklich frei und gleich und brüderlich macht. Doch an der Revolution können die Flüchtigen sich nicht beteiligen: Sie müssen im Untergrund verharren und unsichtbar bleiben …

Wer sich „Fatsa/Koina: Athen“ anschauen möchte, muss sich aber weder auf den weiten Weg nach Mülheim, Athen oder Berlin machen (wo es zuletzt gezeigt wurde), sondern kann auch einfach in Bochum bleiben: In der unlängst neu eröffneten Zeche1 im „Kreativ.Quartier Prinz-Regent“ ist das brisante Bühnenspiel nächste Woche zu Gast.

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Sonntag, 06.12. (19.30 Uhr), Zeche1

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