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07.01.: Helden

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Als Popakademie-Studi Felix Nisblé aka Blint unlängst im „Foyer“ aka in der „Prinzbar“ des Prinzregenttheaters seine erste Platte releaste, da hat die gute Sonia Güttler aka Sonae – theatral multimedial grenzgenial – zur Feier der Nacht ein ganz und gar wunderbares DJ-Live-Set hingelegt. Insofern lag es auch gradezu „blint“ auf der Hand, dass die Sound-Artistin auch einmal eine ganze Theaterinszenierung am PRT mit ihrer aufregend ambitionierten und atmosphärischen Ambientmucke untermalt.

Schneller als man denkt, ist es nun schon soweit – denn die frisch aus der Folkwang-Regieklasse in die freie Wildbahn der weiten Theaterwelt durchgestartete Laura Junghanns weiß die kreativen Klangwelten von Sonae unter anderem ja schon dank ihrer Zusammenarbeit bei ihrer Abschlussarbeit namens „Grauland“ sehr zu schätzen – wobei diese mitunter nur maximal minimal und äußert sparsam im Hintergrund flirrend eingesetzt werden.

Neu dabei im PRT-Team ist neben Folkwang-Feinelektronikerin Sonae und Folkwang-Regieabsolventin Laura aber auch noch Schauspiel-Jungspund Luca Zahn, seines Zeichens der Folkwang-Schule ebenfalls ausbildungsmäßig dankbarst verbunden. Darstellerisch bringt Luca als dynamisches Duo nun zusammen mit Corinna Pohlmann, die dank Romy Schmidts „Peer Gynt“-Sause nicht nur Sparkassen-Foyers in der Innenstadt entern, sondern schon seit Monaten auch die ganz normalen Bühnenbretter des PRTs zu erschüttern weiß, als freies radikales und revolutionäres Brüderchen mit Schwesterchen die Welt ins Wanken.

Luca und Corinna sind David und Judith, sind jugendliche Anti-Helden der ganz eigenen und eigenartigen Art, denn auch wenn sie in der „Helden“-Inszenierung von Laura Junghanns nicht mehr überzeichnet als Spiderman und Catwoman für wahlweise Recht und Ordnung in der gesellschaftlichen Ordnung oder für Krawall und Remmidemmi in bundesdeutschen Fußgängerzonen sorgen, so passen die zwei Um-die-Zwanziger doch wie die ideologische Faust aufs Auge in das aktuelle Spielzeitmotto „Revier für Held*innen“, das das Prinzregenttheater sich seit der tollkühnen „Peer Gynt“-Premiere stolz auf die wehenden Fahnen geschrieben hat.

Und ja, ja klar, die Ideologien sind tot – genauso wie die Eltern hier und heute körperlich aus dem Stück des Österreichers Ewald Palmetshofer verschwunden (vielleicht verstorben?) und nur noch stimmlich per Tonbandkassette anwesend … die zwei Geschwister von der gutbürgerlichen Familien-Front mixen im ebenso wohlig flauschigen wie einengend beklemmenden Ambiente des elterlichen Häuschens nichtsdestotrotz explosive Molotowcocktails aus Traurigkeit und Hass, basteln Brand-Bomben aus Einsamkeit und Frust, pendeln zwischen Politik und Psychokiste, zwischen Geschwisterliebe und Gesellschaftskritik, zwischen heiler Welt und Gewalt-Fantasy, zwischen Subversion und Superhelden-Comic-Knaller, zwischen Wohnzimmerdrama, Weltkapitalismus und Wellness-Oase, zwischen Terrorismuswahn, Thrillerkram, Therapiesitzung … und Therme.

Premiere: Donnerstag, 07. 01. (19.30 Uhr), Prinzregenttheater

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