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09.04.: Basmala – Freund oder Feind & The Faith and Graffiti

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basmala bochum

Es beginnt mit einem voll krass schockierenden Video des umstrittenen HipHoppers Kollegah, es endet mit einem hypnotisch faszinierenden Video des umstrittenen Spoken-Word-Poeten oder besser gesagt -Predigers Boonaa Mohammed …

Rap und Religion, damit sind denn auch die Eck- und Endpunkte dieses neuen Tanzstücks abgesteckt, zwischen denen sich Ibrahim Blaye, Milad Samim, Said Gamal, Sefa Erdik und Feddy Houndekino hier eine gute Stunde lang auf ihren bunten Socken hin- und hergerissen fühlen. Und ringen. Und kämpfen. Und wanken. Und schwanken.

Zieht es sie auf der Suche nach Halt und Zusammengehörigkeit ins Gangster-Ghetto von Kollegah, oder sind am Ende die Heilsversprechungen des Islam doch erheblich verlockender, zielführender, sinnstiftender? Regisseur Neco Çelik hat sich schon in „Schwarze Jungfrauen“ mit muslimischen Antworten auf die Fragen und Forderungen der westlichen Welt beschäfigt – und nun nach „Ruhm“ am Schauspielhaus seine Zusammenarbeit mit dem Künstlernetzwerk Renegade fortgesetzt.

„Basmala – Freund oder Feind“ betrachtet den muslimischen Mann nicht in der Masse, sondern als Individuum, die Sehnsüchte seiner Identität im Strom der Ideologien, zweifelnd, zögernd, zaudernd. „Basmala“ rückt die Zuspitzung der Zerissenheit, die Orientierunglosigkeit auf dem Weg zur Selbstfindung, ins Zentrum. Ins Zentrum für urbane Kunst, genauer gesagt. Auch Zeche1 genannt.

„Basmala“, das ist die Formel, mit der Muslime ihre Handlungen beginnen sollen, damit Allah sie segnet, und irgendwo zwischen Verzweiflung und Glauben, Irrweg und Ehre, Aggression und Hoffnung, irgendwo zwischen den coolen Codes der westlichen Jugendbewegungen und den Traditionen islamischer Gebetsrituale suchen und finden sich die fünf jungen Tänzer buchstäblich in einem tänzerischen Culture-Clash wieder: Basmala meets Breakdance.

Die anspruchsvoll anstrengende Premieren-Performance des provokanten Projekts vor der kühlen, kahlen Kulisse der grauen Kauen-Kacheln war auf alle Fälle im wahrsten Sinne des Wortes eines: bewegend!

Die nächste Gelegenheit, das ebenso harte wie zarte Stück der Urban-Dance-Truppe zu erleben, bietet sich am 09. April, und wer mag, kann sich zuvor an selbem Orte und Abend noch ein passendes Vorprogramm aus der subkulturellen bildenden Kunst (genauer gesagt: aus Street Art / Graffiti) mit den Gästen Robert Kaltenhäuser, Christoph Fuchs, Gigo Propaganda und Robert Szech zu Gemüte führen, das sich unter dem Titel „The Faith and Graffiti“ ähnlichen Schwierigkeiten und Gradwanderungen zwischen persönlicher Crediblity und problematischem Kollektiv, zwischen freigeistiger Freshness und radikalisierter Rhetorik widmen will.

Samstag, 09.04. (18 Uhr: The Faith and Graffiti; 19.30 Uhr: Basmala), Zeche1

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