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18.+19.11.: Caligula im Prinzregenttheater

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Foto: Sandra Schuck

„Die Natur richtet alles aufs beste.“ „Wenn ich euch ansehe, habe ich allerdings den Eindruck, daß sie manchmal danebenhaut …
Man könnte seine Zeitgenossen so viel besser ertragen, wenn sie imstande wären, ab und zu die Visage zu wechseln …“

Albert Camus‘ „Caligula“ ist reich an zitierfähigem, politisch-philosophischem Bonmot- und Sprücheklopfmaterial, und die Jungen Prinzess*essinnen 15+, ihres Zeichens der „größere“ der beiden Jugendclubs am Bochumer Prinzregenttheater (der „kleinere“ Jugendclub sind die Jungen Prinzess*essinnen 10+), haben das sprachgewandte Stück textlich total entkernt und nach dem Motto „jeder Satz ein Treffer“ auf seine pure hochkonzentrierte Essenz reduziert – und auf dieser Basis und auf kongeniale Art und Weise etwas ganz Neues, etwas ganz Besonderes, etwas sehr Wunderbares entstehen lassen.
„Schau, siehst du dieses Gesicht? Gut. Sieh es dir genau an. Jetzt hast du deinen Feind gesehen.“
Rund um den großartigen Luca Hennig in der Titelrolle wird mit diesem charismatischen „Caligula“ unter der Leitung von Theaterpädagogin Clara Nielebock eine unglaublich intensive Inszenierung in die Mitte des baff staunenden Publikums gehievt, die jedem, der sich darauf einlässt, eine faszinierende, fesselnde, fulminante, ja geradezu körperlich spürbare Theatererfahrung bietet.
„Inzest, gut und schön, aber diskret.“
Die Zuschauer sind sehr nah dran an den energiegeladenen Darstellern, sie befinden sich mittendrin im Geschehen – auch dank der von Sylvie Fadenhaft fabelhaft entworfenen Spiel- und Kampffläche –, während ein aufwühlender Klangteppich aus von Max Richter neu interpretierten Versionen von Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ ein eindringlich und nachdrücklich bewegendes Gesamtkunstwerk aus Musik, Tanz und Sprache, aus Gedanken und Gefühlen entstehen lässt, dessen packendem Sog sich kaum jemand entziehen kann.
„Ein Künstler als Kaiser, nicht auszudenken!“
Natürlich ist es vor allem dem tänzerisch wahnsinnig talentierten Luca Hennig als wahnsinnigem Kaiser zu verdanken, dass sich das Stück vom text- oder gar kopflastigen Sprechtheater hin zum mitreißend körperlichen  Tanztheater transformiert hat, ja hinüber transzendiert ist zu etwas Eigenem, Neuem, Wunderbaren.
Aber auch Dyana KrupezkiJohanna Häger, Jonathan Häger, Jakob Schmidt, Leon Tölle und Carolina Braun spielen dermaßen famos und furios auf, dass es eine wahre Freude und ein einzigartiges Theaterlebnis ist, diesem jungen Ensemble beim Spielen zuzusehen.
Diese Jungen Prinzess*essinnen bringen dem verkopften Camus die Emotion zurück.
„Ich kann dich nicht hassen, da ich dich nicht für glücklich halte.“
Diesen unvergesslichen Abend sollte sich kein Theaterfreund entgehen lassen.
Dass es mir leichtfällt zu töten, liegt daran, dass es mir nicht schwerfiele zu sterben.“
„Caligula“ ist morgen und übermorgen erneut im Prinzregenttheater zu erleben.
Du hast gerade eine Gelegenheit verpasst zu schweigen.“

„Caligula“:
Samstag, 18.11., und Sonntag, 19.11. (jeweils um 19.30 Uhr) im Prinzregenttheater

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