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19.03.: Der Kissenmann

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Der KissenmannFoto: Heike Kandalowski

Paul Behren erinnerte mich letztes Jahr in seiner Darstellung des Polizisten Tupolsky im „Kissenmann“ ein wenig an Christoph Waltz in „Inglourious Basterds“. Nun ist Paul Behren Teil des Ensembles im Münchner Volkstheater – und in der Rottstraße obliegt es Neuzugang Tim Fabian-Hoffmann (bekannt aus „Othello“) den des Kindsmords verdächtigten  Kurzgeschichtenschreiber Katurian K. Katurian (Maximilian Strestik, bekannt aus „Das Grauen“) knallhart zu verhören. Doch Darstellerwechsel hin, Darstellerwechsel her – das sensationelle Spannungs-Stück bleibt auch in diesem Jahr einer der empfehlenswertesten Geheimtipps der ganzen Bochumer Theaterszene!

Neben Hoffmann als Inspektor Tupolsky liefert sich Jost Grix als Inspektor Ariel in einem nicht näher definierten totalitären Staat ein atemberaubend aufwühlendes und faszinierend fesselndes, ja nahezu nervenzerfetzendes Good-Cop/Bad-Cop-Duell, ein bitterböses, brutales, berührendes Katz-und-Maus-Spiel mit dem verhafteten Short-Story-Schriftsteller, dessen Geschichten in der Geschichte mehrdeutig mitreißend und unglaublich gut geschrieben sind. Überraschende Wendungen, doppelbödiges Mäandern durch die Wildnis von Wahrheit und Wahnsinn, Fakten und Fiktion  – grade durch den reduzierten Minimalimus des kargen Bühnenbilds tun sich hier im Laufe der twistreichen Handlung umso tiefgründigere Abgründe auf. Ich benutze das Wort „Gänsehautmomente“ ja so gut wie nie (da es ja meist einfach nicht wahr ist), hier aber stimmt es ausnahmsweise mal voll und ganz: Ich kriegte echt eine Gänsehaut nach der andern!

Ein schlaues, berührendes, vielfach verschacheltes und verrätseltes, verstörendes Psycho-Kammerspiel von höchster Intensität und mitunter gnadenloser Grausamkeit, das sich, ich will hier ja nicht spoilern, mit dem Auftauchen von Katurians Bruder (Jakob Schmidt) gegen Ende unfassbarerweise sogar noch einmal zu steigern weiß – der irische Autor und Filmemacher Martin McDonagh (bekannt durch schwarzhumorige Kinothriller wie „Brügge sehen und sterben“ und „7 Psychos“) lieferte die Textvorlage fürs Theaterelebnis –, absolute Empfehlung!

Der KissenmannFoto: Heike Kandalowski

Samstag, 19.03. (19.30 Uhr), Rottstraße-5-Theater

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