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20.11.: Bilge Nathan im PRT

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Bilge Nathan kl (c)Sandra Schuck-5ded0368

„Nathan der Weise“ geht immer. Der Klassiker von Gotthold Ephraim Lessing. Der mit der Ringparabel. Und der Frage, welche der drei monotheistischen Religionen denn nun die wahre ist. Islam, Christentum, Judentum.

Humanismus, Toleranz, Aufklärung. Voll aktuell. Wobei Aufklärung heutzutage natürlich ganz anders aussieht als noch zu Lessings Zeiten im 18. Jahrhundert. Ist natürlich Pflichtlektüre in der Schule, der „Nathan“. Und in die Schulen kann man mit dem „Nathan“ dann ja auch gehen, wenn man es als Solo-Stück spielt. So ohne viel Aufwand. Ganz alleine. Der Klassiker im Klassenzimmer. Denkt sich der arbeitslose Schauspieler Ben.

Doch Mist, Förderung gibt’s nur für Integration. Also nicht „Nathan der Weise“, sondern „Bilge Nathan“. Bilge ist türkisch und heißt weise. Und lieber doch kein Solo-Stück. Lieber ein Zwei-Personen-Stück. Ein Türke muss her. Ben holt sich Mehmet ins Boot. Und schon fließen die Fördergelder.

Zur Premiere kam sogar die Ministerin, doch nun steht Ben alleine da. Wo ist Mehmet, genannt Momo? Soll Ben das Stück jetzt etwa doch ganz alleine spielen? Er versucht es.

Das war zumindest die Idee des Bühnenautoren Thilo Reffert, der für das Theater Koblenz ein dreiviertelstündiges Solo-Stück geschrieben hatte, in dem ein Schauspieler auf seinen türkischen Kollegen wartet und währenddessen alleine versucht, „Nathan der Weise“ zu spielen. Bis die Schüler nach der Vorstellung im Klassenzimmer zu Recht fragten: Ja, und was ist jetzt mit Momo? War das jetzt wirklich das ganze Stück? Ein Schauspieler regt sich die ganze Zeit über seinen türkischen Kollegen auf, der am Ende nicht erscheint? Ernsthaft?

Also schreibt Thilo Reffert einen zweiten Akt: Dort steht Mehmet / Momo im richtigen Klassenraum. Ben hat sich nämlich vertan. Und Momo muss sich nun die ganze Zeit über seinen verpeilten deutschen Kollegen aufregen. Wollte der den Klassiker doch möglichst originalgetreu und altbacken auf die Bühne bringen. Momo sorgt im Kontrast dazu bei seinem eigenen Versuch, den „Nathan“ zu spielen, nun für ganz andere, aktuellere, authentischere Akzente. Mal schauen, ob Ben am Ende des Abends doch noch den richtigen Raum findet, und die beiden die Ringparabel am Schluss vielleicht doch noch schnell gestemmt kriegen.

Der Klassiker im Klassenzimmer. Das war nun auch die Idee von Prinzregenttheaterleiterin Romy Schmidt. Schauspieler Ismail Deniz hatte den Momo schon in Koblenz gespielt und das Stück sozusagen nach Bochum mitgebracht. Mit „Bilge Nathan“ geht er zusammen mit Alexander Ritter als Ben nun also hinein in die Schulen, direkt in die Klassenzimmer. Die Premiere findet am Freitag aber doch erstmal im Theater statt.

Freitag, 20.11. (19.30 Uhr), Prinzregenttheater

 

 

 

 

 

 

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