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21.11.: Samsas Traum + Weena Morloch

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SAMSAS_TRAUM_04

Alexander Kaschte geht generell gern über Grenzen – und der Gothicszene seit zwanzig Jahren auf den schwarzen Sack, in dem er sich von den finsteren Anfangstagen opulenter Black-Metal-Operetten über die krassen Klänge der Neuen Deutschen Härte bis hin zu allerlei zartbesaiteter Liedermacherei nie groß um die Regeln des schwarzen Spiels geschert hat.
Weil sich die gute alte Gothicszene mittlerweile aber vor allem selber auf den Sack geht, kann dem guten jungen Mann mittlerweile auch einfach alles egal sein.
Ist es ihm auch: In der seltsamen Welt des Alexander Kaschte ist zwischen scharfen Synthie-Sounds, schwelgerischem Symphonic-Style und sensibler Singer/Songwriterei alles möglich – vom ausufernden Konzeptalbum bis zur fragmentarischen Kurzgeschichte.

Alexander Kaschte, geboren 1978, seines Zeichens neonlichtbestrahlte Ex-Ikone der dunklen Kultur und Sternzeichen Arschloch, tyrannisiert den Medienbetrieb also je nach Lust und Laune mit Musik, Literatur sowie seiner bloßen Anwesenheit – und spielt seine menschenfeindlichen Buchstabensammlungen und Klangkollagen, wie, wann und wo es ihm gefällt. Samstag also auch mal wieder in der Matrix.

Auf seinen aktuellsten Alben thematisiert Kaschte (unter dem erfolgreichen „Samsas Traum“-Banner) in „Poesie: Friedrichs Geschichte“ zum einen das Schicksal eines psychisch kranken Jungen, der im Dritten Reich im Namen der Euthanasie in einer NS-Tötungsanstalt ums Leben kommt, während er zum anderen (unter dem experimentellen „Weena Morloch“-Banner) gleichzeitig in „Grüß Gott, wir sind die Morlochs“ allgemein angestaubtem Volksliedgut wie „Tränen lügen nicht“, „The KKK Took My Baby Away“, „Hiroshima“ und „Moskau“ von Dschinghis Khan ein zeitgemäß fetziges Industrialkleid verpasst.

Was also geschehen wird, wenn Kaschte und Kompagnons am Samstag die Matrix beehren, lässt sich kaum vorhersagen:
Vielleicht wird der Humor beerdigt, vielleicht steigt er aber auch wieder zombiegleich aus den Alexandrinischen Texten und Kompositionen hervor.

Seltsam? Aber so steht es geschrieben.

Samstag, 21.11. (21 Uhr), Matrix

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