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22.10.: Spieltrieb-Premiere im Prinzregenttheater

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spieltrieb-bochum

Ist das noch gradueller Werteverfall oder schon genereller Werteverlust? Gleich-Gültigkeit oder Sinn-Suche? Ist es Hochbegabung und Hyperintelligenz – oder Hinterlist und Heimtücke? „Hanni und Nanni auf der Porno-Penne“, so beschrieb jedenfalls einst irgendein Kritiker der Süddeutschen den Rahmenstrang des Romans „Spieltrieb“, während die FAZ die augenscheinlich allzu arrogante Autorin als „überambitionierte Klassenstreberin“ bezeichnete. Mich persönlich machen solcherlei Titulierungen freilich meist nur noch neugieriger auf ein Buch, und, nachdem die misslungene Verfilmung des „Spieltrieb“-Stoffes die Latte ziemlich tief gelegt und mir ihrerseits eigentlich keinerlei Lust gemacht hatte, daraufhin auch noch die Vorlage von Juli Zeh zu lesen, bin ich mittlerweile doch sehr froh, es im nachhinein getan zu haben.

Nach der fulminanten Inszenierung von George Orwells „Farm der Tiere“ im letzten Jahr liegt hier im PRT die selbstauferlegte Latte für die zweite Produktion des Prinzregenttheater-Jugendclubs meiner Meinung nach jedenfalls einerseits durchaus hoch, die erfrischend enthusiastische Truppe dürfte dieses Jahr aber anderereits keinerlei Probleme damit haben, die fies gefloppte Verfilmung von „Spieltrieb“ um Längen zu toppen und vergessen zu machen. Nach der grandiosen „Farm der Tiere“ habe ich da halt nicht nur vollstes Vertrauen in die kreative Leiterin der jungen Teams, Clara Nielebock, sondern auch in das Hauptdarstellerpärchen Elena Ubrig und Jakob Schmidt (alias Ada und Alev), die beide schon letztes Jahr in der Orwell-Parabel auf der PRT-Bühne Großes geleistet und Eindruck hinterlassen haben – und die nun als selbsternannte „Enkel der Nihilisten“ in dieser mitunter halbphilosophischen, aber immer hochspannenden Erpressungs- und Internatsgeschichte ausgerechnet und berechnend den nettesten Lehrer der Schule in ein mörderisch amoralisches Spielchen verstricken: Verachtung, Verführung, Vernichtung.
Jakob Schmidt kennt man übrigens auch aus der Rottraße – aus Stücken wie dem genialen „Kissenmann“ – er ist sozusagen ein alter Hase in der jungen Theaterszene Bochums, ebenso wie Lukas Vogelsang, seines Zeichens zur Zeit ebenfalls des öfteren in der Rottstraße zu sehen, beispielsweise in „Clockwork Orange“.

Die Jugendabteilung des Prinzregenttheaters (sprich: die „Jungen Prinz*essinnen“) hat sich nach den erfolgreichen „Farm der Tiere“-Auffführungen des letzten Jahres im übrigen zweigeteilt: Während sich „die Großen“ (sprich: die glorreichen sieben „15 plus“) also grad ihrem „Spieltrieb“ widmen, wird man von „den Kleinen“ unter der Leitung von Clara Nielebock in naher Zukunft freilich auch wieder hören.

Und am Ende geht es auch beim existenziellen Krimi- und Jugenddrama „Spieltrieb“ letztlich um die Frage, ob, und wenn ja, wie viel, Recht denn nun überhaupt mit Gerechtigkeit zu tun hat – womit wir dann eigentlich auch wieder beim Thema der Eröffnungspremiere der aktuellen Spielzeit, „Michael Kohlhaas“, und dem allgemeinen roten Faden des aktuellen Spielzeitmottos, „Wir?“, wären.

„Spieltrieb“ – Premiere (plus Party!): Samstag, 22.10. (19.30 Uhr), Prinzregenttheater

One Comment

  1. >>Die Jugendabteilung des Prinzregenttheaters (sprich: die „Jungen Prinz*essinnen“) hat sich […]
    Wie spreche ich denn Prinz*essinen aus?

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