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25.02.: Bilder deiner großen Liebe

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Bilder einer großen Liebe Bochum
Foto: Sandra Schuck
Ein Fragment hat Wolfgang Herrndorf hinterlassen.
Ein Fragment um die Figur Isa aus seinem Roman „Tschick“.
Frank Weiß hat nun die Figur fragmentiert.
Denn Isa wird nun von drei Frauen gespielt.
Und nicht nur eine multiple Persönlichkeit bilden sie ab: Diese drei Mädels bilden auch eine Mädchenband.
Das Trio heißt Miriam Berger, Linda Bockholt und Johanna Wieking,
wobei letztere ja schon in „Tschick“ die Isa gespielt hat – in zwei kurzen Szenen neben mehreren anderen Rollen.

Nun ist diese eine Rolle also dreigeteilt –
kein Wunder, wenn man bedenkt, wie viel da im Kopf dieser gefühlvoll faszinierenden und feinfühlig inszenierten Protagonistin so herzerrreißend ergreifend miteinander ringt und streitet.

„Denken, fühlen, handeln“ ist, vereinfacht gesprochen, das Motto, unter dem sich die drei Darstellerinnen ihre gemeinsame Rolle und die variierenden Facetten der Figur aufteilen, die hier auf eine verrätselte Wanderschaft durch Wälder, Felder, Dörfer und an der Autobahn entlang geht. Das minimalistische Bühnen-Bild von Sandra Schuck macht deutlich: Die Welt steht Kopf.

Mit diesem Konzept, diese komplexe Persönlichkeit zu erfassen, weicht Frank Weiß ganz klar stark von der bestehenden Bühnenfassung ab, die ihrerseits von Robert Koall erstellt wurde und neben der verwirrend verdrehten Isa noch „einen Mann“ als Nebenfigur aufweist. Frank Weiß, ein alter Hase im Fernseh- und Theatergeschäft, lässt „den Mann“ einfach weg – und liefert hier übrigens sein Regiedebüt ab: „‚Bilder deiner großen Liebe‘ ist Grunde zwar auch eine Road-Movie-Geschichte wie ‚Tschick‘, aber insgesamt trotz einiger äußerer Begegnungen und abenteuerlicher Begebenheiten eher eine innere Reise“.

Romantisch, poetisch, geheimnisvoll – viel spielt sich eben im Kopf von Isa ab. Und eigentlich betreten diese drei Schauspielerinnen, die da die Isa darstellen, ja auch nie die eigentliche Theaterbühne: Sie bleiben sozusagen die ganze Zeit in einem Raum im Raum. Steht in der Welt da draußen auch das Sternenzelt am Himmel, alles Kopf oder tief im Wald mal Baum an Baum:
Die drei bleiben ihrerseits die ganze Zeit auf einer Art inneren Bühne für den Außen-Auftritt ihrer Band.

Es gibt also viel Musik, geschickt geklaut, gekonnt gecovert – mal gut gelaunt, oft melancholisch – und jede Menge Songs von Pop und Rock bis Gospel und Folk in dieser Semi-Fortsetzung zu „Tschick“ – und in dem unvollendet gebliebenen Romanfragment des früh verstorbenen Wolfgang Herrndorf auch einen Kurzauftritt von Maik und Tschick (aus der Sicht von Isa). Mal sehen, ob die zwei Typen auch auf der Bühne irgendwo am Rande in irgendeiner kleinen Form Eingang in das Stück finden werden.

Und übrigens: Während Miriam Berger und Linda Bockholt ja schon allerlei musikalische Erfahrungen hinter sich und vorzuweisen haben, hat Johanna Wieking extra für das Stück Bass-Spielen gelernt. Nächste Woche Donnerstag ist Premiere: toi toi toi!

Premiere: Donnerstag, 25.02. (19.30 Uhr), Prinzregenttheater

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