0

30.09.+01.–03.10.: Sommerfest im Prinzregenttheater

FacebookTwitterGoogle+

Sommerfest

Nachdem in den letzten Wochen (und Monaten) in Bochum fröhlich gecastet und gefilmt wurde, für Sönke Wortmanns Verfilmung von Frank Goosens „Sommerfest“, könnte sich der ein oder andere vielleicht grad überlegen, jetzt einfach noch die paar Wochen (oder Monate) zu warten, bis der Film dann in den Kinos läuft und sich bis dahin in Vorfreude zu er- statt ins Theater zu gehen.
Allerdings hat Sönke Wortmann eigentlich seit rund 25 Jahren keinen guten Film mehr gedreht (die einzige Ausnahme bleibt wohl „Kleine Haie“), so dass sich die Vorfreude eigentlich echt in Grenzen halten sollte. Und sich jeder geneigte Kulturfreund stattdessen vielleicht doch mal überlegen sollte, sich am Wochenende mal richtig richtig gutes Theater anzuschauen:
„Sommerfest“ zählt nämlich zu den besten Inszenierungen, die man im Prinzregenttheater zu sehen bekommt.

Denn, obwohl ich die Schönheit des Stückes hier ja schon optimistisch vermutet hatte, darf man dann ja doch erst mal skeptisch sein, ob man sich nicht gleich doch vielleicht jedes Mal kurz einen Schluck aus dem Flachmann gönnen muss, falls hier gleich ein Grönemeyer-Zitat nach dem andern deklamiert wird. Aber nein, es gibt an diesem Abend im Prinzregenttheater überhaupt kein Grönemeyer-Zitat, und nein, das hier ist auch kein „Bochum-Abend mit allem, was dazugehört“, wie wohl anderswo zu lesen ist. Nein, es gibt erstaunlich wenig plattes Bochumer Lokalkolorit und erfreulich wenig verklärenden Nostaligizismus, und insgesamt sowieso viel viel weniger zu lachen, als man vielleicht so denken könnte (und sich manch Zuschauer vielleicht sogar erhofft hat). Statt kalauernden Ruhrgebietshumors gibt’s hier eine eher zerrissen zwiespältige Hauptfigur, die sich bei ihrer Rück-Reise in heimatliche Gefilde in ein emotionales Erinnerungskarussell begibt, das durch eine sich drehende Wäschespinne symbolisiert wird. Was zu einer zwergenhaft kleinen Ruhrpott-Story hätte schrumpfen können, wächst sich hier (rund ums märchenhafte Bühnenhaus mit roter Zipfelmütze) zu einer ganz großen Geschichte mit ganz großen Gefühlen aus, voller Melancholie und Wärme, die weniger an regionalem Bochumer Brimborium interessiert ist als angenehm angelehnt an den berührend tragikomischen Charme von internationalen „Coming Home“-Indiedramödien wie „Garden State“.

So gibt’s statt schnellen Schenkelklopfern im Übermaß zum Beispiel auch eine kleine Anspielung auf „Twin Peaks“ – was meiner Meinung nach natürlich nie verkehrt sein kann. Wer das alles nicht so sieht oder nachvollziehen mag, der kann ja trotzdem bis nächstes Jahr auf Sönke Wortmanns vermutlich viel viel lustigere Verfilmung warten.
Alle anderen sollten an diesem Wochenende gefälligst ins Prinzregenttheater gehen.

Freitag, 30.09., sowie Samstag bis Montag, 01.–03.10. (jeweils 19.30 Uhr), Prinzregenttheater

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.