0

60 Jahre Metropolis-Kino im Hauptbahnhof

FacebookTwitterGoogle+

Als ich 1981 mit zehn Jahren am Gymnasium am Ostring eingeschult wurde und daher zwangsläufig des öfteren am Bochumer Hauptbahnhof rumzulungern hatte, übte das sogenannte „Bali“-Kino dort eine eigenartige und einzigartige Faszination auf mich aus. Nicht nur, dass ich das Konzept des „Nonstop“-Kinos damals nicht so recht verstand (welches im übrigen offensichtlich hauptsächlich dazu diente, dass sich manche Personen den ganzen lieben langen Tag in diesem kuscheligen Kino aufzuhalten beliebten), nein, vor allem die wahrlich geschmackvolle Filmauswahl des „Bali“ nahm mein kindliches bis halbjugendliches Gemüt quasi gefangen und brachte meine Fantasie auf Hochtouren: Neben allerlei prickelnder Softerotik à la „Schulmädchen-Report“ (ich erinnere mich noch lebhaft an das Filmplakat von „Malabimba: Komm und mach’s mit mir“, ein Film, der dort alle paar Wochen immer wieder zu laufen schien) flößten mir vor allem die viel versprechenden Plakate und Aushangfotos von Filmen wie „Ein Zombie hing am Glockenseil“ und „Man-Eater: Der Menschenfresser“ reichlich Respekt und Schrecken ein. Im Gegensatz zu manch tolldreistem Mitschüler, der sich diese sagenumwaberten Filmchen tatsächlich schon anzukucken getraut hatte und im Anschluss an das Gesehene die saftigsten Szenen plastisch zu schildern wusste, wagte ich Bübchen es lange Zeit nicht, mir einen dieser berühmt-berüchtigten Streifen wirklich anzusehen.

Heute weiß ich übrigens, dass „Bali“ ursprünglich für „Bahnhofslichtspiele“ stand und das Konzept des „Nonstop-Kinos“ zu Beginn weniger dazu diente, den ganzen Tag im gemütlich warmen Kinosessel zu verpennen, als vielmehr dazu, dort in der Bahnhofshalle mit dem ein oder anderen „Kultur“- und Unterhaltungsfilm die Wartezeit auf den nächsten Zug zu überbrücken – und wünsche hiermit dem „Kino im Hauptbahnhof“, also dem jetzigen Metropolis-Kino, alles Gute zum Sechzigsten!

Zur Feier des Geburtstags am Freitag, den 14., zeigt das Metropolis aber keinen Film aus seiner (mich einst am meisten geprägt oder traumatisiert, oder sagen wir: „beeindruckt“ habenden) „Bali-Glanzzeit“ – also eben nicht „Großangriff der Zombies“ mit Mel Ferrer, sondern „Krieg und Frieden“ mit Mel Ferrer (sowie seiner damaligen Angetrauten Audrey Hepburn), und eben nicht „Sado – Stoß das Tor zur Hölle auf“ (damals übrigens vom Verleih „empfohlen ab 21 Jahren“), sondern den aktuellen „The Party“ (nicht zu verwechseln übrigens mit dem ollen, aber tollen Peter-Sellers-Film).

60 Jahre Metropolis: Freitag, 14. Juli 2017
16 Uhr: „Krieg und Frieden (der Eröffnungsfilm des Kinos vom Juli 1957!)
20 Uhr: „The Party“ (mit Bruno Ganz, Cillian Murphy und Kristin Scott Thomas)
Eintritt jeweils 5 Euro.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.