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Der Fluch der griechischen Spinnerin

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06.–11.10.2015

ARACHNESie war eine ganz ganz große Spinnerin, diese freche, forsche Arachne da im alten griechischen Mythos. Sie sponn und sponn, bis das Webschiffchen glühte und ihre flinken Fingerchen knackten, aber meinte dann natürlich, wie das so oft der Fall ist im griechischen Mythos, sich gleich göttergleich über Gebühr mit ihrem Supertalent schmücken zu müssen. So eine Göttin wie Athene lässt so eine Hybris freilich nicht auf sich sitzen, steigt dann ebenso eifersüchtig wie verkleidet vom Olymp herab und fordert die Angeberin Arachne mal eben zu einem krassen Web-Wettbewerb heraus. Zickenkrieg auf die altgriechische Art, natürlich gewinnt eigentlich Arachne, aber Hochmut kommt halt vor dem Fall, Athene gibt sich zu erkennen und ihrer Konkurrentin gleich noch einen schicken Götterfluch mit auf den Weg: Fortan ist Arachne zur Strafe eine Spinne und klar, woher so Begriffe wie Arachnophobie kommen.

Den Gewinner-Teppich, den Arachne da beim Contest so bravourös zusammengesponnen hat, hat bislang zwar kein Mensch je wieder zu Gesicht bekommen, der olle Ovid allerdings hat in seinen „Metamorphosen“ zumindest ausdrucksstark geschildert, dass der Teppich von allerhand Missetaten der Götterwelt handelte – und die junge Dame sich damit erst recht ihren verdienten Ärger einhandelte: In jugendlichem Übermut und ihrer allzu menschlichen Hybris hatte Arachne gleich 21 Verfehlungen von Neptun, Zeus & Co. farbenfroh abgebildet.

Im Neuland auf der Rottstraße hat Carina Hommel, die vor drei Jahren unter anderem auch schon mal im Alsenwohnzimmer ausgestellt hat, letztens ihre Interpretation des antiken Teppichs aufgehängt, und wer in den dort ausnahmslos unheheuerlich monstermäßig dargestellten und vornehmlich männlichen Mitgliedern der Götter-Gang einen antireligiösen Ansatz vermutet, hat vermutlich genauso recht wie jener, der das aus feministischer Perspektive betrachtet – oder das Teppichmotiv einfach mit Humor nimmt. All diejenigen, die die 21 bunten Bildchen als allzu plakativ oder gar platt empfinden, müssen sie sich ja nicht ins Wohnzimmer hängen.

Überhaupt: Carina verkauft ihre 21 Teppich-Teile natürlich am liebsten nur komplett!

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