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Förster, mein Förster: Frank Goosen im Zeitmaultheater

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24.02.2016: Am Abend zuvor hatte Frank Goosen noch im heimischen Keller erstmals den Rohschnitt des auf seinen beiden Büchern „Radio Heimat“ und „Mein Ich und sein Leben“ basierenden Kinofilms „Radio Heimat“ gesehen (Untertitel: „Damals war auch scheiße“) und musste aufkeimende Gefühlswallungen und Sentimentalitäten anschließend doch mit dem ein oder anderen Pilsken niederringen. Kein Wunder, rührten ihn die als nostalgische Coming-of-Age-Geschichte verfilmten Stories und Jugenderinnerungen doch auf einer sehr persönlichen und emotionalen Ebene an. „Leider braucht’s noch ein bisschen Geduld, bis der Film im November ins Kino kommt, aber auf das seit fünfzig Jahren verheiratete Ehepaar Ralle Richter und Elke Heidenreich kann man sich jetzt schon freuen – sagt doch der Onkel Josef zur Tante Henni: ‚Mit ’ner andern wär doch au nich besser‘ …
Und auf Uwe Lyko als Laberfürst. Und bei der Klassenfahrt nach Carolinensiel am Ende des Films lag ich echt unter der Couch!“

Doch zurück zum hier und jetzt: Heute fällt Frank Goosen nicht mehr vor Lachen oder Weinen von der häuslichen Fernsehcouch, sondern steht anlässlich einer feierlichen Premiere am Lesepult. Genauer gesagt: auf der Bühne des Zeitmaultheaters – und trägt vor. Genauer gesagt: seinen aktuellen Roman „Förster mein Förster“, in dessen Handlungsstränge natürlich ebenfalls jede Menge autobiografische Elemente hineingeflossen sind. Kein Wunder, ist die Hauptfigur doch ein Schriftsteller, der schnurstracks auf seinen Fünfzigsten zusteuert. Skurrile Nebencharaktere, darunter gleich am Anfang ein herrenloser Hamster namens Edward Cullen, und tragikomische Situationen, darunter am Ende, also genau am Fünfzigsten, eine Fahrt im VW-Bus an die Ostsee, machen den herben Charme des Buches aus – der leicht episodische Eindruck der Geschichte, die sich nur lose an einer Art rotem Faden (gestrickt um eben jenen besagten Fünfzigsten und eben jene besagte VW-Bus-Fahrt zur Wiedersehensfeier der Tanzkapelle einer greisen Saxofonistin) entlangspinnt, ist der locker-entspannten Atmosphäre einer solchen Lesung, die der geneigten Lauscher-Schar ja nur einen ganz kleinen Teil der insgesamt 54 Kapitel servieren kann, sogar eher zuträglich – und in ihren halb-humorigen, halb-nachdenklichen Häppchen auf alle Fälle ebenso abwechslungreich wie unterhaltsam.
Wobei die einzelnen Kapitel ja zum Teil auch noch in unterschiedlichen Text-Formen daherkommen, mal in Gestalt einer drolligen E-Mail-Korrspondenz, mal als absurd theatrales Dramolett.

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Letztere Text-Art eines Kapitelchens sorgt denn direkt nach der Pause noch einmal für eine kleine Überraschung, als ein solch absurdes Dramolett um die autobigrafische Erfahrung einer wegen mangelnden Zuschauerinteresses ausgefallenen Lesung in Berlin (so passiert im wirklichen Leben noch zusammen mit Jochen Malmsheimer unter dem damaligen „Tresenlesen“-Banner) plötzlich in einer von Rolf Arno Specht und Frank Bojert erstellten Film-Fassung über die Leinwand flimmert: mit Jürgen Sarkiss als Förster und Eike Weinreich als Buchhändler – sowie mit Arne Nobel und Helge Salnikau. Gedreht übrigens vor zwei Tagen ebenfalls im Zeitmaultheater, wo hier und heute ein äußerst amüsanter Lese-Abend langsam, aber sicher seinem Ende entgegenschippert.

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Übrigens: Was Filme angeht, sind neben dem praktisch schon fertiggestellten „Radio Heimat“ derzeit ja noch die Verfilmungen von „Sommerfest“ (Dreharbeiten, klar, im Sommer) sowie von „So viel Zeit“ (Drehbuch, so ziemlich, fertig) in der Mache.

Und weil Frank Goosen ja alle zwei Jahre pünktlich einen neuen Roman fertigstellt, ist der nächste natürlich ebenfalls schon in der Mache – und so dürfte (neben allen zwischenzeitlich anstehenden Filmpremieren) die nächste Buchpremiere dann im Februar 2018 zu feiern sein – dann hoffentlich ebenfalls wieder im Zeitmaultheater.

Mich jedenfalls hatten die vorgetragenen episodischen Appetithäppchen dieses Abends am Ende so hungrig auf mehr und neugierig auf den Rest der 54 Kapitel gemacht, dass ich mir „Förster, mein Förster“ sofort nach der Lesung natürlich erstmal gekauft habe.
Ich will schließlich wissen, was am Ende aus Edward Cullen wird.

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