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25./26.10.: Michael Kohlhaas im PRT

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prinzregenttheater

Ja, im Prinzregenttheater hat man derzeit gut lachen, denn auch „Spieltrieb“, die zweite Produktion des Jugendclubs „Junge Prinz*essinnen“ – und ihres Zeichens die zweite Produktion der zweiten PRT-Spielzeit unter der Ägide von Romy Schmidt –, konnte bei ihrer Premiere jüngst Jung und Alt rundum überzeugen. Überhaupt hat man als staunender Zuschauer jetzt erst recht das Gefühl, dass sich das PRT-Team in der zweiten Saison nun so richtig erfolgreich eingroovet – und sich der frische Wind, der seit Neuestem durch diese alten Theaterräume weht, jetzt endlich so richtig deutlich bemerkbar macht. Wer also „Michael Kohlhaas“, die erste Inszenierung dieser Spielzeit, noch nicht bewundert hat, der sollte dieses unfassbare Versäumnis gefälligst schleunigst nachholen. Denn nicht nur weil ich als Kind der Siebziger mit einem rot sehenden Charles Bronson aufgewachsen bin, oder mit Clint Eastwood, der sich auch nicht immer treu und redlich an die Buchstaben des Gesetzes gehalten hat, wusste diese klassische Selbstjustiz-Story mich vollends zu begeistern. In der ersten Hälfte inszeniert wie ein spannender Rachewestern, driftet der Abend gegen Ende ins kafkaesk Komische, ins abgefahren Absurde ab, sobald sich Michael Kohlhaas wieder brav in die leidigen Mühlen des labyrinthischen Justizapparats begibt. Das Tri-, äh, Schizophrene der Hauptfigur wird durch das kongeniale Darstellertrio Linus Ebner, Dirk Hermann und Maximilian Strestik auf wahnwitzige Weise von innen nach außen gekehrt und von hinten nach vorn geholt – das Publikum ist und wird von der überbordenden Spielfreude der drei Schauspieler, die wie Germany’s next Outlaws auf einem Laufsteg inmitten der Zuschauer wunderbar frei und entfesselt aufspielen, unerhört hin- und her- und mitgerissen. Tief im wilden Western wartet am Ende der Wahnsinn – selten wurde der olle Heinrich von Kleist so großartig und kurzweilig aufs Wesentliche komprimiert wie in diesem sagenhaft soghaften Theaterstrudel von Frank Weiß.

Michael Kohlhaas: Dienstag, 25., und Mittwoch, 26. Oktober (jeweils 19.30 Uhr), Prinzregenttheater

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