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29.04.: Rap X 30 – Anniversary Show

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Wie auf obigem Foto von der Wittener Straße zu sehen, findet man sie auch heute noch überall kreuz und quer in Bochum verteilt,
diese einprägsamen Rap-X-Aufkleber – auch wenn es den zugehörigen Laden freilich lang schon nicht mehr gibt.
Eröffnet am 27. April 1986 feiert man am 29. April 2016 sowohl in der Sold Out Gallery als auch in der Goldkante
den dreißigsten Jahrestag des legendären Skater-Shops.
Und so wie sich einst der Rap-X-Ruf wie von selbst in alle Welt hinaus verbreitete,
so wächst momentan in der guten alten Skater-Szene auch die höchstgespannte Vorfreude auf das hochspannende Event in Ehrenfeld –
und auf ein großes frohes Wiedersehen von und mit guten alten Freunden:
Es kündigt sich ein ebenso nostalgisches wie höchst vergnügliches Klassentreffen an –
ein unvergesslicher Abend für einen unvergessenen Laden.

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Aber nochmal ganz zurück zum Anfang – und zu Martin Magielka, seines Zeichens unter anderem international bekannt durch sein Streetwear Today-Magazin und lokal durch seinen Pop-Up-Store an der Alten Hattinger Straße, in der er ja momentan Doc Martins feilbietet. Der quirlige Martin war grad mal vierzehn Jahre alt, als er zum ersten Mal die Punk-&-Reggae-Combo Bad Brains in der Zeche Bochum sah.
Ein eindeutig einschneidendes Erlebnis, aber bei weitem nicht das einzige: Während sich Martins Eltern am Stadtpark langsam, aber sicher von ihren Hippie-Wurzeln ins big Business verabschiedeten und bürgerlich verbiederten, wurde der kleine Punker Martin unter der Woche im rauen Arbeitermilieu an der Maarbrücke groß –
bei seinem Großvater wurden noch fleißig die Kohlen aus dem Keller zentnerweise in den vierten Stock geschleppt.

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Claus Grabke: Santa-Cruz-Skatepro-Friend of Rap X

Am Wochenende hingegen lautete das Motto „Ghetto-Kids versus Spießer“, das hieß dann: vielleicht auch mal die Kinder der Familien Fiege oder Baltz verkloppen. Mit fünfzehn, sechzehn schaffte es das „Wild Child“ Martin sogar mal mit einem Foto in die Zeitung:
Mit einem Pflasterstein als Wurfgeschoss in der Hand vor einer Hundertschaft der Polizei verzierte sein Bild die heftigen Auseinandersetzungen um die damalige Besetzung und den drohenden Abriss des Bochum-Stahlhausener Heusnerviertels.

Skateboard, Snowboard, Sprayen … – wahrscheinlich war Martin damals sogar der erste, der in Bochum eine Dose in die Hand nahm, um sich auf einer nackten Wand mit einem auffälligen Graffiti zu verewigen.

BMX, Breakdance und dann … – ein folgenschwerer Unfall mit der Vespa setzte allen waghalsigen Aktionen und Ambitionen vorzeitig ein jähes Ende. Fünfzehn Meter weit flog Martin über das ihm am Stadtpark frontal entgegenkommende Auto, die Landung war hart: Er verletzte sich  die Wirbelsäule und schrappte knapp an der Querschnittslähmung vorbei.
Statt Brett unter den Füßen hieß es nun das Bett im Krankenhaus zu hüten –
und ein anderes Brett aus Holz diente vier Monate lang dazu, den eigentlich hyperaktiven Martin bewegungslos ans Bett zu fesseln.

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Ryan Monihan: H-Street-Skatepro-Friend of Rap X

Es hieß also die punkige Attitüde und vor allem Haltung zu bewahren, wobei auch ein starres starkes Metallkorsett dazu diente, dass Martin in seiner Stützrüstung stets so grade daherschritt wie ein aufrechter Ritter oder steifer Zinnsoldat. Noch heute kann sich dieser Mann mit Haltung mitunter drei Tage nicht mehr bewegen, weil er beim Ausräumen der Spülmaschine leider mal kurz geniest hat. Nur gut, dass Doktor Grönemeyer ihn da stets im Auge hat.

Zumindest zahlten damals die Versicherungen, es gab also ein wenig Schmerzensgeld, ein ganz erkleckliches Sümmchen eigentlich, und so blieb der Name Rap X trotz oder grade wegen dieses schlimmen Unfalls für immer und ewig als Marke erhalten: Entstanden war Rap X nämlich ursprünglich als Breakdance-Spitzname von Martin, Grund dafür war ein Foto, auf dem er mit einem „Rap“-Shirt und überkreuzten Beinen („cross-leg“) zu sehen war, seitdem hatte sich „Rap X“ als „Martins Tanzname“ festgesetzt.

Statt nach langen Monaten der langwierigen Genesung also noch ein drittes Mal eine Klasse zu wiederholen, sparte sich Martin kurzerhand die zehnte Klasse und verabschiedete sich direkt nach der neunten aus der regulären Schullaufbahn –
und eröffnete stattdessen mit seinem Startkapital in einem ehemaligen Elektroladen an der Dorstener Straße am 27. April 1986 seinen eigenen Skate-Shop Rap X.

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Mehmet Aydin: Rap-X-Team Rider

Vormittags besuchte Martin zwar daraufhin noch die Handelsschule bzw. höhere Handelschule am Ostring, spätestens ab 13 Uhr jedoch stand er jeden Tag im Laden. Beziehungsweise irgendwann in zwei Läden, denn später verkaufte man an der Dorstener Straße links die Hartware, rechts die Klamotten.

Schon bald waren all over Bochum Rap-X-Aufkleber zu finden, schon bald rief man die sich rasch vergrößernde Community zu spontanen Skate-Contests zusammen – und veranstaltete schon bald das, was man heute wohl Flashmobs nennen würde:
Flugs organisierte man sich ein paar Baustellenabsperrungen und Umleitungsschilder, schon war eine Straße in Wiemelhausen abgesperrt – und auf einen Schlag Hunderte von Skatern vor Ort.
Und um dem Finanzamt eins auzuwischen, gab’s eben einen nie genehmigten Contest vor dem Finanzamt – und selbst die Polizei fuhr einfach nur rat- und ahnungslos vorbei.

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Einer der ersten großen Höhepunkte war dann sicherlich der Skateboard Europa Cup im April 1989. Gemietet wurde halb größenwahnsinnig die Grugahalle Essen, gebaut wurden riesige Rampen, die vor allem beeindrucken sollten, aber, oh Wunder, plötzlich auch tatsächlich befahrbar waren, geliefert wurde also eine gigantomanische Wahnsinnsshow, und geweckt wurde Martin Magielka schon um acht Uhr morgens, weil unerwarteterweise schon fünftausend Leute vor den Hallentoren standen.

Der kleine feine Trick freilich hatte darin bestanden, den Europacup terminlich eine Woche vor den Titus-Worldcup in Münster anzuberaumen, so dass sich alle Skateboard-Superstars bereits in Deutschland befanden bzw. beide Events bequem nacheinander mitnehmen konnten. Das Riesending in der Gruga wurde spontan in zwei Monaten gestemmt, am Ende standen drei tolle Tage auf sechs Meter hohen Rampen und mit dem Rap-X-Logo allerorten, gefeaturet von Claus Grabke, gefeaturet von Martin van Doren – letzterer arbeitete ja auch selber im Laden.

RAP-X-BOCHUM-DORSTENER_STRASSE-04_HIPRap-X-Neckprint by Cem 1992

Im Laden selber verkaufte man als allererster Shop in Europa Marken wie Stüssy oder Supreme, 55DSL von Diesel, hatte Kunden wie Hans Nieswandt, der immer mit tausend Mark Budget in der Tasche vor der Tür stand, um sie vor Ort im Laden dann ruckzuck auszugeben, und vor allem: jede Menge Spaß.

Neben Hip-Hop-Battles und anderen legalen Events in Münster oder Köln fanden auch in Bochum immer wieder legendäre illegale Partys statt, unter anderem in der ehemaligen Abfüllhalle auf dem Afri-Cola-Gelände direkt neben dem Ruhrschnellweg:
„Loungin'“ und „Still Loungin'“ in einem stylischen Glaskubus an der A40.

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Vor allem die BMXler sorgten enorm emsig für die weitere Verbreitung des Rap-X-Namens, indem sie im Laden Shirts für acht Mark kauften und diese dann auf den Contests für einen Zwanni weiterverscherbelten. So finanzierte man sich halt damals seine Teilnahme an den Wettbewerben und den Lebensunterhalt – und schuf ganz nebenbei einen Hype: Insgesamt dürften irgendwann wahrscheinlich um die 150 000 Shirts in die weite Welt hinausgeschossen worden sein. Und tonnenweise Aufkleber. Martin Magielka jedenfalls trifft immer noch in aller Welt auf sein Rap-X-Signet, sei es in Los Angeles, sei es in San Sebastian. Oder er trifft jemandem im Freibeuter mit einem rot-schwarzen Rap-X-Shirt und spricht ihn dann an.
Denn: Rot-schwarze Rap-X-Shirts hat es offiziell nie gegeben, dass Shirt hat sich der gute Junge einfach inoffiziell selber gemacht!

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Auf der sich nun groß ankündigenden Ausstellungseröffnung und Afterparty wird es jedenfalls, ja, neue Shirts (!!!) sowie in der Sold Out Gallery allerlei bewegende Bilder und in der Goldkante auch bewegte Bilder zu sehen – und somit bewegende Erinenrungen aufzufrischen – geben. Nach der „Rare Shots on Planet Earth“Ausstellung von Matthias Gephart, der sich ja erstens nicht nur titelmäßig vom Rap-X-Namen hat inspirieren lassen, sondern zweitens den Laden seinerzeit (nach dem Tod von Eazy-E) auch spektakulär besprayt hat, ein weiteres echtes Highlight für die HipHop/Punkrock-Skater/Sprayer-Crossover-Kult-&-Coolness-Posse.

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Wie damals der Rap-X-Name verbreitet sich jedenfalls momentan auch die Ankündigung der Veranstaltung ohne großes Zutun fast wie von selbst wie ein Lauffeuer.

Und bestimmt legt neben viel Hip-Hop und ein bisschen Hardcore-Punk der DJ des Abends auch was von den Bad Brains in der Goldkante auf, womit sich hier sicher nicht nur für Martin Magielka ein Kreis schließt.

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Und wer weiß, vielleicht passiert wie einst am Finanzamt nun auch in Ehrenfeld das, was man heutzutage wohl Flashmob nennt,
und bei Martin Magielka klingelt irgendwann das Telefon, weil plötzlich fünftausend Leute vor der Tür stehen.

Mit Überraschungen ist zu rechnen, willkommen zum Klassentreffen.

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Freitag, 29.04. (18 Uhr), Sold Out Gallery

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