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The Dorf in der Christuskirche

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Es gibt Momente, da sollte man die Kirche einfach mal im Dorf lassen, und es gibt Abende, da lässt man das Dorf in die Kirche.

Und es gibt Abende, die sind einfach unvergesslich – wer hätte schon damit gerechnet, dass ausgerechnet am zweitletzten Tag des Jahres noch eines der besten Konzerte des Jahres auf dem Plan stehen würde.

Denn dieses Dorf ist ganz und gar nicht verschlafen. The Dorf schleicht sich animalisch ausdrucksvoll und vor Kraft strotzend an den Hörer heran, grad so, als ob hier ein schlummernder, sanft brummender Löwe geweckt wurde, um jeden Moment  in der Arena spektakulär loszubrüllen.

Wie Jan Klare, seines Zeichens zuständig für die „Air Movements“, also als Dirigent, oder besser gesagt: als Zirkusdirektor, als Raub­tier­dompteur, diese erwachende Big-Band-Bestie im Griff hat und das 25-köpfige Untier zu bändigen versucht, wie er das wild wimmelnde Chaos unter einen Hut zu kriegen und in einen Groove zu bannen vermag, das ist ganz großes Kino und wahrlich bärenstark.

Aus dem für die „Urban Urtyp“-Reihe konzipierten Kubus im Kir­chen­raum jedenfalls bricht der komplexe Klang-Körper dieses multiinstrumentalen Kollektivs meist erst leise, dann langsam immer lauter und lauter hervor, fulminant fieberhaft bis zum krachigen Crescendo.
Es rappelt in der Kiste, es wackelt der Kubus, The Dorf rüttelt an den Gitterstäben ihres Käfigs in den altehrwürdigen Mauern dieser Kirche.

Am Tag vor Silvester – also urban-untypisch an einem Mittwoch – wurde hier zirkusreif und trickreich ein dermaßen vielschichtiges Soundgemälde aufeinandergestapelt und das Publikum mit nahezu orgiastischem Sound in Trance versetzt, dass ich leider nicht umhin konnte, mit allzu beschränkten Mitteln die Naturgewalt dieses Ereignisses leider nur allzu unzulänglich festzuhalten:

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