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Thomas Prochnow: Spiegelsaal im Ad Hoc

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thomas prochnow bochum adhoc29.04.2016: Thomas Prochnow, geboren in Thüringen, wohnhaft in Berlin, besucht gern verlassene verfallene Orte und geht gern in alte leerstehende Häuser, um dort still und heimlich seine Kunst zu installieren. Als einen „zweiten öffentlichen Raum“ bezeichnet er solche einsamen „Lost Places“, an denen kaum jemand jemals seine Kunst leibhaftig zu Gesicht bekommen wird, sondern nur ein einmaliges Foto als Abbild und Beweis ihrer Existenz dient. Nun hat Thomas Bochum besucht, einen nicht ganz so gottverlassenen Ort – und ganz so versteckt ist jener Spiegelsaal denn auch nicht, in den er hier den White Cube des Ad Hoc auf der Schmidtstraße verwandelt hat. Der schneeweiße Raum wird, Thomas sei Dank, nun von einem spiegelnd schwarzen Laminatboden verziert – und konterkariert. Kunst zum Anfassen bzw. zum Drauftreten sozusagen. Während man anderorts Kunst auf ein hohes Podest stellt, wird sie in der Ad-Hoc-Garage buchstäblich tiefschwarz mit Füßen getreten – und der oft allzu erhabene Blick des Besuchers auf den Boden gelenkt, der in der Kunst sonst ja eine wortwörtlich eher untergeordnete Rolle spielt, hier und heute, in diesem Hinterhof auf der Schmidtstraße, aber ausnahmsweise mal schwarz und stark im Mittelpunkt steht. Thomas Prochnow holt die werten Besucher des Ad-Hoc-Raums konkret – oder die Abgehobenheit der Kunst allgemein – sozusagen auf den Boden der Tatsachen zurück. Keine Kunst im Wolkenkuckucksheim, keine Kunst im Elfenbeinturm, noch nicht mal auf Augenhöhe, nein, diese Kunst liegt am Boden! Und so wie das Schicksal all jener von Thomas an gottverlassenen Orten zurückgelassenen Kunstwerke von einer ungewissen, aber sicherlich zeitlich begrenzten Zukunft umwabert wird, so ist auch die Sichtbarkeit dieses Spiegelsaals endlich:
Enden wird die bodenständige Austellung am 14. Mai um 19 Uhr.

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